Weg mit dem Aktenstaub!
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Weg mit dem Aktenstaub!

UNTERNEHMEN HEUTE, 2022: advocado

Weg mit dem Aktenstaub!

 

Das deutsche Rechtswesen mag für vieles bekannt sein – seine Innovationskraft gehört eher nicht dazu. Ein Berliner Start-up ist angetreten, dies zu ändern: advocado digitalisiert die Branche nach Kräften. Und hat damit großen Erfolg.

Was sehen Laien vor ihrem inneren Auge, wenn die Rede vom Bürgerlichen Gesetzbuch ist, vom Zuwanderungsgesetz, vom Strafgesetzbuch, von der Straßenverkehrsordnung? Wahrscheinlich ziegeldicke Kompendien und Menschen in Anzug oder Kostüm, die sie und andere Papierberge in schallgedämpften Kanzleien wälzen. Natürlich ist dieses Bild ein Klischee. Aber wie so viele am Ende wahr: Die deutsche Rechtsbranche verkörpert eine eher steife, konservative Welt, und ihre Bücher haben für Außenstehende allesamt sieben Siegel. Nicht nur, dass diese im schwerfälligen Nominalstil abgefassten juristischen Dickschiffe ausschließlich von Spezialisten beherrscht werden können; es gleicht mitunter auch einer Herkulesaufgabe, den geeigneten Experten für die jeweils eigenen Belange zu finden. Trotz Google. Und trotz des Siegeszugs rein digitaler Geschäftsmodelle quer durch zahllose Wirtschaftszweige.

Den beiden Jura-Studenten Maximilian Block und Jacob Saß erschien diese Situation schon im Jahr 2014 obsolet. Mit dem Preisgeld eines gewonnenen Ideen- und Businessplan-Wettbewerbs der Universität Greifswald gründeten sie deswegen damals die Online-Rechtsberatung advocado, die heute ihren Sitz in Berlin hat und gut 50 Mitarbeiter beschäftigt. Ihr Anspruch: Die Suche nach dem optimalen Rechtsbeistand so fallbezogen und detailgenau, so unkompliziert und sicher zu gestalten, wie es bei Partnervermittlungen längst üblich ist.

Qualität für beste Perspektiven

Kunden schildern auf der Online-Plattform ihr Problem und können dabei hilfreiche Dokumente einfach hochladen. Das Matching-System findet dann auf der Basis eines ausgefeilten Algorithmus innerhalb von zwei Stunden den passenden von aktuell mehr als 550 kooperierenden Rechtsanwälten aus allen Rechtsbereichen. Transparenz ist dabei ein hohes Gut: Bevor Interessenten ein individuell auf sie zugeschnittenes Festpreisangebot bekommen, erhalten sie zunächst eine kostenlose Ersteinschätzung über die Aussichten ihres Falls. Wer über advocado in einen Rechtsstreit geht, tut dies also nicht aufs Geratewohl, sondern immer mit einer guten, wohlbedachten Perspektive. Über den Datenschutz muss sich überdies niemand Sorgen machen – Rechtsfragen sind nur für den jeweiligen Fachanwalt einsehbar, die ganze Abwicklung läuft komplett nach Regeln der DSGVO.

Die hohe Kundenzufriedenheit – advocado hat die höchste Weiterempfehlungsrate aller digitalen Rechtsberatungen – führt Maximilian Block nicht nur auf die einfache Bedienung, die durchdachte User Experience und die gerade in Rechtsfragen so wichtige Reaktionsgeschwindigkeit zurück. Sie beruht vor allem auf den expliziten Qualitätskriterien, an denen die Rechtsanwälte des Legal Tech-Unternehmens kontinuierlich gemessen werden. Wer allen Vorgaben entspricht, erhält mittlerweile sogar ein eigens geschaffenes Qualitätssiegel. „Das ist eine echte Innovation im Rechtsbereich, wo mit der Ausbildung generell auch die Leistungsbewertung endet. Wir dagegen wissen genau, wie viel Erfahrung unsere Kooperationspartner haben, wie termintreu und erfolgreich sie arbeiten und wie sehr sie ihre Kunden zufriedenstellen“, sagt Anwaltssohn Block, der seine erste Webseite schon mit zwölf programmiert hatte.

Dass die Mandanten von advocado profitieren, liegt auf der Hand. Aber wie steht es mit den Anwälten, die so auf Herz und Nieren geprüft und beim Verfehlen der Standards sogar ausgeschlossen werden? „Anders als die Auftraggeber haben Rechtsanwälte anfangs mit digitalen Tools etwas gefremdelt. Doch längst bewerben sich Anwälte darum, bei advocado gelistet zu werden. Gerade kleinere Kanzleien erkennen die enormen Vorteile: Sie können dank uns online arbeiten ohne sich selbst mit hohem Zeit- und Kostenaufwand um den Aufbau und den Unterhalt einer digitalen Infrastruktur kümmern zu müssen“, sagt Kompagnon Jacob Saß.

Konzentration auf den Mandantenerfolg

So läuft der komplette Prozess von der Kontaktaufnahme über den Dokumentenaustausch und die Lösungsfindung bis zur Zahlungsabwicklung auf einer einzigen Plattform ab, die damit als eine Art digitales Sekretariat fungiert. Was auch bedeutet: Rechtsanwälte können sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren und dennoch höchste Servicestandards erfüllen. Die Gebühren, die ausschließlich auf Seiten der Anwälte erhoben werden und sich aus einer festen und einer transaktionalen Komponente zusammensetzen, lohnen sich in praktisch jedem Fall.

Das Berliner Start-up hat auf diese Weise gute Chancen, die Digitalisierung im deutschen Rechtswesen voranzutreiben. Was dringend geboten scheint. Denn die Beharrungskräfte der Branche sind hierzulande immer noch groß, wenn es um die Modernisierung althergebrachter Gepflogenheiten und berufsrechtlicher Regelungen geht – vor allem gemessen an Ländern mit liberaleren Bedingungen wie Großbritannien oder den Niederlanden. Dort sind Legal Tech-Angebote, etwa in Form komplett digitaler Kanzleien, viel weiter gediehen als in Deutschland. Aber der Erfolg von advocado zeigt: Das muss keinesfalls so bleiben.